12 Gründe nicht zu züchten

Inspiriert von Normen Mrozinski und seinem Blogeintrag "10 Gründe, warum man nicht als Hundetrainer arbeiten sollte", habe ich das mal auf die Zucht umgelegt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, es gibt sicher noch viele Gründe mehr. Allerdings auch Gründe dafür, das darf nicht unerwähnt bleiben. ;) 1) Wenn du mit Welpen knuddeln möchtestDeine romantische Vorstellung ist, dass liebe süße Welpen auf dir liegen und dir ihr Urvertrauen damit zeigen. Welpen schlafen die ersten drei Wochen die meiste Zeit, danach auch noch sehr viel. Oder sie wollen Action, auf dir rumkauen, dein Inventar vernichten, zupieseln und ka... Du rennst hin und her und selten knuddeln Welpen tatsächlich. Wenn Ruhe einkehrt, dann weil sie wieder müde sind. Und du musst nun aufräumen, vorbereiten, waschen und deine großen Hunde beschäftigen. 2) Grund 2 haben die Welpen kaputtgemacht - und er war teuer! (Danke Normen!)
 3) Wenn du dein Leben planen willstNie wird deine Hündin läufig wie du es dir wünscht. Urlaub planen ist so gut wie unmöglich, weil du dann zum Decken fahren müsstest, deine Hündin tragend ist oder du Welpen aufziehst und nie vorher weißt, wann der letzte auszieht. Wenn du endlich planen kannst, z.B. den Urlaub, sind alle guten Ferienoptionen mit Hund garantiert ausgebucht. 4) Wenn dir (oder deinem Partner) Geld wichtig ist und/oder du davon nicht genug hastWenn du dir morgen nicht einen nagelneuen Satz Winterreifen mal eben kaufen kannst und nächste Woche keine Waschmaschine, weil die alte den Geist aufgegeben hat, kannst du nicht züchten. Du brauchst Rücklagen. Sei es für einen Kaiserschnitt, eine Infektion eines gesamten Wurfes inkl. Bestand, Rückkauf eines Welpen/Hundes usw.. Das Geld ist unantastbar für den Notfall, und der Notfall kann nur Hund heissen.Ausserdem kostet dich jeder Wurf bis zum Verkauf je nach Umständen mind. 2.000,-Euro im allerbesten Fall mit eigenem Rüden und null Zwischenfällen bei kleiner Wurfgröße. Der erste Wurf schlägt mit deutlich mehr zu Buche, da du erst alles anschaffen musst was man so braucht.Zudem musst du nach jedem Wurf irgendetwas an Inventar und evtl. auch Mobiliar ersetzen.Zucht ist eine Spardose. Das ganze Jahr steckst du Geld hinein, und wenn alle Welpen ausgezogen sind holst du es wieder raus. Mal stellst du fest, dass ein Langfinger am Werk war und weniger drin ist als du reingesteckt hast. Mal bleibt eine Woche Ferienhaus an der Nordsee übrig - sofern du den Gewinn nicht wieder direkt in deine Hunde(zucht) investierst. 5) Wenn dir (oder deinem Partner) das Wochenende heilig istAm Wochenende fährst du auf Ausstellungen, Hundeplätze oder hast Welpeninteressenten zu Besuch. Vorher putzt du, backst Kuchen und danach putzt du.Zwischenzeitlich beschäftigst du deine Hunde. Qualitytime für dich allein - Fehlanzeige.Auch den Feierabend unter der Woche kannst du streichen. Bevorzugte Zeit für Anrufe/Chats von Welpeninteressenten. 6) Wenn du harmoniesüchtig bist und mit (berechtigter wie unberechtiger) Kritik sowie Shitstorms nicht umgehen kannstBist du erfolgreich wird man über dich lästern, bist du es nicht, wird man auch über dich lästern. Deine Hunde schlechtreden, Krankheiten andichten, Wesenseinschränkungen, deine Sauberkeit, deine Finanzen, deine Wohnsituation, einfach alles wird man zum Anlass nehmen dich zu diskreditieren.Vorne wirst du angelächelt, von hinten bekommst du Messer in den Rücken gesteckt (manchmal mit Salz und kräftig gerührt). 7) Wenn du nicht objektiv bistNein, deine Hunde sind nicht fehlerfrei, es sind nicht die schönsten und nicht die besten. Deine Würfe sind nicht alle super, heute nicht, morgen nicht, niemals. Du gönnst anderen Züchtern Erfolg, weil auch du auf Hunde anderer Züchter zugreifen musst um nicht in deiner eigenen Genetik-Suppe abzusaufen. Du erkennst den guten Hund, die gute Aufzucht etc.pp. des anderen Züchters an, auch wenn du die Person nicht leiden kannst. 8) Wenn du Menschen nicht magst und dir solide Menschenkenntnis fehltWelpeninteressenten im Haus, am Telefon und im Netz, vor, während und nach der Abgabe. Auf viele, viele Jahre.Unzählige Gespäche und Treffen mit anderen Züchtern und Hundehaltern um zu wissen, was in der Zucht deiner Rasse wirklich los ist. Und all das musst du in die richtige Relation setzen können. Wer lügt, übertreibt, untertreibt.Auch dann wirst du noch oft genug auf die Nase fallen. 9) Wenn du nicht gerne lernst, liest und buchführstGenetik interessiert dich nicht oder ist dir zu kompliziert, Buch führen ist auch nicht deins. Beides ist immens wichtig für eine erfolgreiche Zucht.Alle Beobachtungen müssen festgehalten werden, denn du wirst dich irgendwann nicht mehr erinnern können, welcher Welpe aus welchem Wurf genau dies oder jenes gezeigt hat, was über diesen oder jenen Hund bekannt war. Wann war welche Hündin läufig, wann wurde wie entwurmt, wer muss wann wieder zur Impfung.Der Verein und das Veterinäramt wollen unter Umständen deine Buchführung einsehen und sie muss lückenlos sein.Züchtest du mehr als einen Wurf musst du dir einen Steuerberater suchen. Auch Welpengeld ist sonst Schwarzgeld. 10) Wenn du ungeduldig bistDeine beste Eigenschaft ist hoffentlich Geduld. Die brauchst du idealerweise als Züchter im Übermaß. Du wartest bis deine Hündin alt genug ist, untersucht, zuchttauglich, läufig wird, bis sie steht, bis zum Ultraschall, bis zur Geburt, bis die Welpen zwei Wochen alt sind und sicher über den Berg, bis sie vier Wochen alt sind und die Party losgeht, bis sie 8-12 Wochen alt sind und du wieder durchatmen und die Füße hochlegen kannst. Auf die Welpenkäufer die sich verspäten oder gar nicht kommen oder sich festsitzen und nicht wieder gehen wollen. Und dann fängst du von vorne an mit warten. 11) Wenn es dir schwerfällt dich durchzusetzen und Nein zu sagenDu weißt genau, dass dieser Mensch dir unsympathisch ist oder andere gute Gründe dagegensprechen, ihm -auch im letzten Moment, entgegen vor Wochen gemachtem Vertrag- den Welpen mitzugeben. Und egal wie feucht die Augen schimmern oder wie unflätig es wird, du musst dann Nein sagen, sonst bereust du es ewig. Höre immer auf dein Bauchgefühl!Die Kinder der Interessenten zerren an deinen Welpen rum und die Eltern grinsen debil und finden das niedlich wie die lieben kleinen das vermeintlich neue Spielzeug benutzen. Du musst die Kinder bremsen, den Eltern sagen, dass ein Hund denkbar ungeeignet sind und sie bitte gehen mögen.Liegt dir das nicht, hast du im schlimmsten Fall traumatisierte Welpen zu Hause während der Besuch gut unterhalten bei deinem Kaffee und Kuchen den Sonntag verbracht hat und mit müden Kindern zufrieden von dannen zieht. 12) Wenn du Vollzeit arbeitest oder gern unterwegs bistNein, kein Chef schenkt dir zu deinen vier Wochen Jahresurlaub noch sechs Wochen dazu. Und mindestens 10 Wochen Vollzeit frei benötigst du für einen Wurf wenn du es richtig machen willst, deine großen Hunde und deinen Haushalt weiterführen möchtest. Eine Woche für evtl. Deckreisen, die letzte Woche der Trächtigkeit lässt du deine Hündin nicht mehr allein, die mindestens 8 Wochen Aufzucht bist du gefragt wie nie. Und lass dir gleich gesagt sein, nach der Aufzucht eines Wurfes bist du erst wirklich urlaubsreif, übernächtigt und satt von Menschen.Entweder arbeitest du von zu Hause aus, gar nicht, wie dein Partner auch in Wechselschicht und kannst mit ihm tauschen oder du siehst maximal ein Viertel von dem Leben deiner Welpen während der Aufzucht. Frage dich selbst, ob du dir das von deinem Züchter wünscht.