Xonett des Teutones (*26.04.2008) - Lola

oder auch: die Chefin, la Mamma

 

Lola ist mittlerweile 9 Jahre alt und in Rente - Zeit hier mal zu überarbeiten. Wahrscheinlich interessiert es nicht mehr viele, aber doch meine Welpenkäufer und vielleicht den einen oder anderen, bei dem sie sich in der Ahnentafel befindet. Und wenn es auch keinen interessiert, ich werde es sicher nochmal lesen. ;)

Sie ist bei uns schon immer die souveräne Führung, mein dritter Arm oder auch mein zweites ich, was es nicht immer einfach macht, da sie ihre Aufgaben sehr ernst nimmt und auch manchmal über das Ziel hinausschießt.

Im Alltag sehr sozial zu jedem Menschen, solange er mir gegenüber nicht laut und aufdringlich wird. Dann zeigt sie ihr zweites Gesicht, welches ebenso sichtbar wird, wenn es um ihr Territorium geht (daher auch Lola Jekyll zu Hyde genannt).

Dadurch, dass sie in sich ruht, wirkt sie auf den ersten Blick nicht so spektakulär, ist aber für mich einfach zu handeln, absolut zuverlässig und hat einen ausgeprägten "will to please" (der jetzt langsam dem Altersstarrsinn weicht, wobei ich eigentlich weiß, dass es an mir liegt, da ich ihr einfach viel durchgehen lasse ;) ).

Wenn sie jemanden dominiert, dann oft so, dass er es lange gar nicht bemerkt. Sie hat es nicht nötig, sich laut und hysterisch Respekt zu verschaffen.

Zu Hause hat sie meist rumgelegen wie ein altersschwacher Labrador, solang nichts aussergewöhnliches passierte oder sich jemand ausgehfein machte, dann hat sie mali-typisch hochgedreht und tut es auch heute noch. Im Alltag wohl einer der genügsamsten Malinois die ich kenne. Aber vielleicht liegt es auch an meiner ausgeglichenen Art (Scherz am Rande).

Fremde Hunde fand sie schon immer unter ihrer Würde, alles was ich ihr als Welpe vor die Nase setzte, hat sie mir zuliebe toleriert und nach kurzer Zeit auch akzeptiert.

Von kleinen Hunden liess sie sich sogar schon ein paarmal schnappen, bis sie dann den Gong geschlagen hat. Bei großen würde es auf High Noon hinauslaufen, denn wer austeilt, muss auch einstecken können. Glücklicherweise haben wir alle Tut-Nix-Klippen immer umschiffen können (toi toi toi, auf Holz geklopft).

Zu ihren nervigen Macken, im Auto muss genuckelt werden, weil es sie heute noch anko..., dass es andere Verkehrsteilnehmer gibt, die überholen, hinter uns fahren oder uns entgegenkommen. Wagt sich jemand dicht am Auto vorbeizugehen oder gar reinzugucken, habe ich tausende Stoffschnipsel in der Box, kann man sich vorstellen wie beim Abspann von Tom und Jerry - ich weiß nicht, wieviele Kik-Fleecedecken dieser Hund in seinem Leben verbraucht hat, nachhaltig ist anders.

Telefoniere ich im Garten oder arbeite dreisterweise mit einem anderen Hund, fängt sie sofort an zu buddeln, weil sie weiß, dass sie dann meine "zornige" Aufmerksamkeit hat - besser als nichts.

An der kurzen Leine zieht sie wie ein Hecht, nur an der Flexi läuft sie manierlich.

Gartenarbeit kann man abhaken, putzen auch, da muss sie auch heute noch weggeperrt werden, denn Schubkarrenreifen, Mülleimer (auch fremde an der Strasse stehende), Besen, Schaufeln, Rasenmäher, Staubsauger müssen getötet werden. So nervig das auch ist, ich würde sie vermissen, wenn sie weg wären.

Lola war im Sport leider durch mich etwas gehandicapt, denn wirklich ehrgeizig war ich als Prüfungsschis... nie und durch meine menschlich hoch angesiedelten Ansprüche an mein Trainingsumfeld hatten wir leider auch mehrere Vereinswechsel zu verzeichnen.

Sie hat aber immer solide Leistung gezeigt; auch wenn vorher größere Pausen zu verzeichnen waren, konnte und kann ich sie noch immer ohne Angst vor einer Blamage auf den Platz bringen und mit ihr arbeiten.

Lola hat ein Faible für das Suchen gehabt, sie war zwar schnell, aber absolut sicher und brauchte nie Motivation. Weder hat sie auf der Fährte gefressen, noch spielen wollen.

In der Unterordnung hat sie technisch sehr sauber gearbeitet (ist auch konsequent sauber in der Fußarbeit vorgeprellt, weil ich zu blöd war es ihr richtig beizubringen und flexibel war sie bei einmal gelerntem nicht mehr), war immer bereit mitzumachen, hat aber auf Dauer nicht auf höchster Flamme "die" Ausstrahlung gezeigt. Dafür musste sie immer etwas Stau haben, den ich nie künstlich erzeugt habe, weil ich dazu schlicht zu faul war. So schmiss sie die Beine nur, wenn sie davor eine Woche Pause hatte. Ansonsten gab es keine Unterschiede, egal wann man sie gefordert hat. Der Apport (wie schon bei ihrer Mutter) war pfeilschnell auf Hin- und Rückweg und mit vollem Einsatz. Daran musste ich nie arbeiten, den hat sie mir einfach geschenkt. Auch die Sprünge hat sie immer druckvoll gezeigt, aber locker, nicht einmal hat sie eine Hürde gestreift - ebenfalls ein Geschenk an mich, an dem ich keinen Anteil hatte.

Im Schutzdienst hat sie mir und anderen viel Freude bereitet, weil sie absolut sauber war und man an ihr wirklich sehr gut lernen konnte. Sie hat schwache Helfer ohne Ausstrahlung auch schonmal stehenlassen, da sie im Schutz an der Beute kein Interesse hatte. Da zählte für sie die Auseinandersetzung und ihre Philosophie ist, dass man sich mit schwächeren eben nicht duelliert.

Hatte sie Helfer mit Ausstrahlung, war es eine wahre Pracht zuzusehen und sie zu arbeiten. Wurde jemand unfair, hat sie in ungeschützte Stellen gekontert und die Helfer mal fix geradegerückt. Korrekturen von fremden waren für sie inakzeptabel.

Ihre Griffe waren bombig und für eine Hündin bemerkenswert hart, was sicher auch an ihrer Rumms-Murmel liegt, die oft als rüdenhafter Kopf bezeichnet wurde. Auch im Vollschutz hat sie gebissen, ohne dass sie nach dem jahrelangen Arbeiten auf dem IPO-Arm irritiert oder zaghaft gewesen wäre. Wirklich Spaß hat das aber wohl dem Helfer nicht gemacht, denn die Griffe waren voll wie im IPO-Arm, aber statt zu schieben hat sie halt, wie gelernt, massiv gekontert.

Im zivilen Bereich ist sie eine Lebensversicherung, auch wenn ich die wohl nicht brauchen werde, beruhigt es schon sie nachts neben mir zu wissen wenn ich mal allein zu Hause bin. Sie geht zivil ohne dass wir es je hätten trainieren müssen, daher müssen wir bei Besuch etwas aufpassen und Lola muss dann schonmal im Welpenzimmer sitzen, da ich sie nicht immer 100% im Auge haben kann und nicht vorhersehen, wie mein Besuch handelt. Lola kann ich schon einschätzen, aber das ist eben nur eine Seite der Medaille. So geht sie bei körperlichen Angriffen auf mich auch sofort auf Angriff - das kann auch mal eine spontane Umarmung oder ein auf die Schulter hauen sein. Safety first!

In den neun Jahren hatte Lola nie eine Krankheit, sie war nur zum Impfen, Röntgen, einmal zum Ballen nach Schnittverletzung nähen und zur Deckvorbereitung beim Tierarzt. Weder Durchfall, noch Husten, keine Lahmheiten in der ganzen Zeit, Kreuzbandriss, Spondylose oder was auch immer durchaus hätte auftreten können, wenn man sich den Rest der Population mal ansieht.

Dazu war sie eine großartige Mutter! Vier wundervolle Würfe mit insgesamt 28 Welpen, 14 Rüden und 14 Hündinnen, hat sie mir in den Jahren geschenkt und sie mit Hingabe, Gelassenheit aber auch Strenge großgezogen bis sie zu ihren Besitzern gegangen sind.

Der erste Deckakt war ein Drama, da sie partout den Rüden nicht aufsteigen lassen wollte, was hat der Kerl sich auch erlaubt. Danach stand sie immer wie auf dem Silbertablett, hat die Rüden aber immer einmal kurz angetestet. Wer keinen Fump hatte, war uninteressant und diese Rüden wollten sie dann auch nicht mehr decken.

Die Söhne von ihr waren alle nicht ganz einfach bis auf zwei nettere Kandidaten. Für mich war das gewünscht, für die Umwelt und die Besitzer oft Herausforderung. Leider nicht mehr passend in die heutige Zeit mit den Ansprüchen an Hunde allgemein und auch an den Sporthund. Diese Rüden lassen sich von fremden nicht manipulieren. Die Hündinnen sind bis auf die letzten beiden durchaus einfacher, wenn auch immernoch keine Einsteiger-Malis. Klar und lesbar sind sie aber alle.

Im Gros hat sie ihre guten Nerven vererbt, wobei sich die Hunde auch schnell andrehen lassen und das macht halt auch das "End-Produkt" aus. Ich denke sie hat ein paar Ausnahme-Hunde geboren, denn wenn man die Geschichten zu den Hunden kennt, weiß man, dass das genetische Qualität ist.

Drei Nachkommen von ihr sind auf der FMBB-WM (insgesamt sechsmal) oder anderen Meisterschaften national und international gestartet. Also auch dauerhafte Leistung und keine Eintagsfliegen. Und ich glaube fast alle würden ihren "Welpen" von ihr nochmal nehmen. Die letzten beiden Würfe sich noch nicht so weit, dass sie überregional starten, aber auch da ist dickes Potential vorhanden.

Lola ist mein persönlicher Prototyp von einem Malinois und ich erfreue mich jeden Tag an und mit ihr. Mein Wunsch ist, dass sie noch einige Jahre mit mir zusammenlebt. Sollte sie sich irgendwann verabschieden wollen, dann kann ich ihr hoffentlich einen Abgang mit Würde ermöglichen. Denn Schwäche zeigen wollte sie nie.

Bis dahin, also bummelig die nächsten 7 Jahre, wird sie nachts bei mir im Bettchen schlummern wenn der Herr des Hauses im Dienst ist, meinen Platz auf dem Sofa auf einen halben Quadratmeter dezimieren, die schwarzen beaufsichtigen und mich mit ihren kleinen Macken nerven, sich ab und an ins Beißkissen entladen und hin und wieder mit etwas Unterordnung an die Ordnung erinnert werden. Wir himmeln uns beide noch immer an und sind auf eine Art und Weise miteinander verbunden, die keine Worte braucht.

Wenn ich heute sicher wäre, dass ich nach ihr nochmal einen ähnlichen Malinois finden würde, wäre der nächste sicher. Da ich nicht daran glaube, wird sie wohl mein letzter Malinois sein. Man soll auch aufhören, wenn es am schönsten ist und ich glaube, ihren Platz könnte ohnehin keiner einnehmen...

 

 

 

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