Zucht und deren Varianten in der Praxis

 

Variante 1:

Ich habe eine gute Hündin und möchte eine möglichst gute Verpaarung machen. Wahrscheinlich bleibt es bei einem Zuchteinsatz. Der Beweggrund ist meist eher im Sport zu finden.

 

Variante 1 benötigt auf den ersten Blick nicht soviel genetisches Hintergrundwissen, da in der Regel zwei gute Hunde verpaart werden mit dem Ziel sich selbst und ein paar Bekannten, die von dem Hund begeistert sind Nachkommen zu verschaffen. Eine auf lange Sicht angelegte Zuchtphilosophie hat man nicht.

Ist diese Verpaarung gelungen, wird der Haken auffällig. DerErfolg macht Hunger auf mehr. Demzufolge kann man sich von Variante 1 gleich verabschieden und zur 2 gehen…

 

Variante 2:

Ich habe eine genetisch wertvolle Hündin, die dies auch in der Arbeit wiederspiegelt und verfolge einen konkreten Plan. Ich meine mir recht sicher zu sein, was meine Hündin vererben wird, da ich zum einen ehrlich zu mir selbst bin, zum anderen das genetische Umfeld akribisch durchleuchtet habe. Dazu gehören nicht nur die Eltern und deren Nachkommen, sondern mindestens auch sämtliche Halbgeschwister. Nach Möglichkeit sortiert in ähnliche Verpaarungen, die ich eventuell in Erwägung ziehe. Da die meisten Züchter sich sehr viel über wd informieren ist es in meinen Augen sehr wichtig gerade über die Hunde, die zwar angelegt wurden, aber seit früher Jugend nicht mehr aktualisiert wurden, Infos ausfindig zu machen. Hier finden sich oft die Ausfälle begründet auf Krankheit und Co.. Keine negativen Einträge in wd bedeuten nicht, dass es keine negativen Folgen aus einer Verpaarung gab. Bei Einträgen in wd sollte man immer auch einen Blick in die Historie werfen, die ebenfalls aufschlussreich sein kann.

Es soll zudem Züchter geben, die bei Abgabe schon erkennbare Fehler durch einen Preisnachlass verpflichtend der Öffentlichkeit vorenthalten.

Wenn ich nun sicher bin, dass ich mit meiner Hündin züchten kann und will, weiß mit welchen Fehlern ich rechnen muss, dann geht es an die konkrete Überlegung welches Ziel ich verfolgen will.

 

Den Ansatz eine Hündin wie meine zu duplizieren kann man nicht ernsthaft haben, denn dann war man nicht objektiv und hat die Fehler/ Einschränkungen die jeder Hund hat nicht gesehen und bewertet.

Also muss ich meine persönliche Prioritäten-Liste erstellen und mir überlegen was für mich die größte Wertigkeit hat und gleichzeitig die Erreichbarkeit derer realistisch einschätzen. In Folge dessen muss ich ebenfalls festlegen welche Fehler ich tolerieren kann und auch hier die Erbgänge einbeziehen.

Es versteht sich von selbst, dass meine eigene Hündin in diese Prioritäten passen sollte, denn sonst ist Enttäuschung vorprogrammiert. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass die Deckpartner für völligen Ausgleich sorgen können und nicht nachhaltig gedacht.

Nebensächlich für die Qualität der Hunde ist der Typ (groß/klein, hell/dunkel) solange er sich im Rahmen des Standards bewegt. Hier kann man tatsächlich einmal ganz nach persönlichem Gusto entscheiden.

Voraussetzung für Zucht ist immer das Anstreben derVerbesserung der Durchschnittspopulation. Erhaltung derer ist  -bitte ohne negative Wertung, sondern im Wortsinn– Vermehrung.

Das bedeutet, dass ich mir bei einer Verpaarung schon Gedanken darüber mache, wie die Nachzucht weiter einzusetzen wäre. Hier spielen weitere Aspekte eine Rolle, die einfach bedacht werden müssen, aber oft vergessen werden.

Der erstbeste, gut passende Rüde kann unter Umständen nicht die richtige Wahl sein, wenn mir hinterher keine oder nur stark eingeschränkte Möglichkeiten bleiben meine Nachzucht weiter einzusetzen, da die Population vom selben Blut getränkt ist. Daraus folgt, dass ich grundsätzlich das gesamte Zuchtgeschehen in der Population im Auge behalten muss, auch wenn gewisse Verpaarungen mich vermeintlich nicht interessieren.

Oft kommt nun die Frage nach Linienzucht (in allen Ausprägungen) oder Outcross-Verpaarungen. Ein oft angenommer Irrglaube ist ebenfalls, dass eine Outcross-Verpaarung grundsätzlich ein nicht annähernd vorhersehbares Ergebnis bringt, welches zusätzlich heterogen ist. Auch mit einer Outcross-Verpaarung kann man einen homogenen Wurf züchten. Dies ist immer dann der Fall, wenn die blutsfremden Partner aus einer recht homogenen Linie stammen und die Partner zusammenpassen, man um die Vererbung der Deckpartner weitestgehend weiß.

Linienzucht bringt zwar u.U. schneller Erkenntnisse über die tatsächliche Vererbung, jedoch auf dem Rücken der Nachkommen ausgetragen und für meine Begriffe vermeidbar, da wir uns ja schon vorher über eventuelle Schadgene bei den Deckpartnern informiert haben und eben nun genau dies Auftreten vermeiden wollen und können.

Es handelt sich im vorstehenden Text um einen Auszug aus persönlichen Aufzeichnungen, eine Veröffentlichung Bedarf der Genehmigung