Warum züchte ich?

 

Um die Rasse zu erhalten – na schönen Dank auch... was für eine Aussagekraft...und hat die Mali-Welt auf mich gewartet?!

 

Züchten – eine Frage der Ehre...oder: heute rede ich es mir schön, morgen züchte ich und übermorgen hole ich dem Welpenkäufer sein Geld.

 

Leider oft die traurige Wahrheit in den vorigen Satzfragmenten!

 

Ich werde wohl kaum meine ganzen Gedanken dazu in verständliche Worte fassen können – das ist ungefähr so, als wolle man das Wort Liebe erklären und wer kann das schon.

Da sind wir aber auch schon beim Anfang. In allererster Linie liebe ich Hunde und da ganz speziell an erster Stelle den Malinois und den Schipperke. Ein Hund der mich fesselt; ich liebe seine Vielschichtigkeit, seinen wachen Geist, seine Geschmeidigkeit und seinen Ausdruck. Für mich ist der Mali Ästhetik auf vier Beinen. Ich liebe die echten Reaktionen eines Hundes, das unverfälschte Verhalten. Das liefert der Schipperke, da wir ihn auch in einer Gruppe halten (und das so unkompliziert sehr geniessen nach den Malinois, die da deutlich diffiziler sind, bei dem Typ den wir bevorzugt haben).

 

Das ist natürlich allein noch kein Grund zu züchten. Mir geht es nicht um das Geld und nicht darum Hunde zu züchten, die irgendwann mal auf dem Podest stehen um mein Selbstwertgefühl zu heben. Allerdings sind das natürlich Nebeneffekte, die ich sehr gerne in Kauf nehme. Wenn das Geld mich auch nicht reich machen wird, so ermöglicht es mir aber, mein ganzes Hundetrara in dem ausgedehnten Ausmass zu leben; ein finanzieller Kreislauf sozusagen.

 

Als nächsten Punkt möchte ich mein eigenes Glück anführen. Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, dass die Hündin rund wird und die Welpen geboren werden, wenn ich in der Wurfkiste sitze, morgens einen stinkenden Welpenraum vorfinde, schmutzige Mini-Pfoten meine Hose versauen und mir unverdorbenes, glückliches Urvertrauen auf etlichen kleinen Beinen miepsend entgegenkommt.

Die Entwicklung zu beobachten, zu sehen wie die Hunde erwachsen werden und wie sie alt werden, ist für mich vollkommen. Als Mensch hat man selten die Möglichkeit den Kreislauf des Lebens so zu erleben wie in der Tierzucht. Leider leben Hunde nicht allzu lange, aber das macht es auch wieder möglich Generationen zu erleben und in der dritten Generation beispielsweise den Bogen zu seiner Stammhündin schlagen zu können - und Charakterzüge oder die gleichen Augen erkennen zu können, ist einfach nur wunderschön. Wenn man nach zehn Jahren von seinen Welpenkäufern die Rückmeldung bekommt, dass man ihnen das beste gegeben hat, was sie sich vorstellen konnten und ihr Leben komplettiert hat, ist das vielleicht jetzt weiblich-kitschig, aber für mich jede Mühe wert und das schönste Kompliment. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an den Großteil meiner AST-Adopteure, allen voran Familie Biehler, Familie Höfner und Familie Patelschick!

 

Die unromantische Seite ergibt sich automatisch, bereitet mir aber genauso viel Freude. Ich recherchiere für mein Leben gern die Rassen Malinois und Schipperke. Ich sehe mir viele Hunde an, beobachte und bilde mir meine Meinung. Hier halte ich mich an junge und vor allem lebende Hunde, denn egal was über die alten Stammhunde der Rasse geschrieben steht – ich habe sie nie kennengelernt und kann den Wahrheitsgehalt nicht nachvollziehen. Bei den Hunden, die ich als Junghunde beginne zu beobachten, die Würfe von anderen Züchtern, deren Werdegang ich verfolge, kann ich mir eine Meinung bilden. Alles was ich persönlich sehe glaube ich und werte es sicher auch.

Ich bin kein Genetiker und verfüge hier sicher auch nur über ein solides wissenschaftliches Grundwissen. Die Theorie in die Praxis umzusetzen ist sehr schwierig und ich wäre den studierten gegenüber anmassend, wenn ich behaupten würde, dass ich allein auf Grund der Theorie meine Entscheidungen begründen könnte.

Ohne jetzt hochtrabend werden zuwollen, kann ich aber sagen, dass ich mit meinen Prognosen weitestgehend richtig liege – ob in der Vergangenheit oder der Gegenwart.

Es gehören nicht nur Wissen und das Quentchen Glück zur Zucht. Meiner Meinung nach ganz wichtig sind Feeling, Talent oder wenn man will, der grüne Daumen. Und ich glaube, das ist eine meiner stärksten Eigenschaften.

Ich erkläre das gern so: Ich meine gutes Deutsch zu schreiben, bin und war aber nie in der Lage Grammatikregeln zu erklären.

Wer hier irritiert ist oder den Kopf schüttelnd liest, hat etwas entscheidendes meiner Einstellung nicht verstanden und für mich auch nicht die richtige Einstellung zum Hund. Für diejenigen, die sich über sportliche Erfolge MIT ihrem Hund freuen, für die aber der erwartungs- und vertrauensvolle Blick ihres Hundes noch größere Freude bedeuten, für diese Menschen züchte ich nach bestem Wissen und Gewissen einen Freund für's Leben...

Diejenigen, die ihre Hunde wechseln wie ihre Unterhosen, sie nur als Sportgerät sehen, bei dem kleinsten Pups das Zweifeln anfangen und die Hunde weiterreichen, sind hier absolut Fehl am Platze und mögen sich bitte woanders nach einem Hund umsehen (wenn's denn überhaupt sein muss).

Ich züchte keine Versuchskaninchen oder Therapiehunde für Profilneurotiker und beziehungsgestörte Menschen.