Das Wesen…

ist nicht nur angeboren oder ausgebildet - es entwickelt sich täglich und lebenslänglich auch durch den Umgang den wir mit dem Hund pflegen. Jedenfalls das, was wir als Wesen bezeichnen; nämlich das was wir bei der situativen Betrachtung eines Hundes wahrnehmen und aus seinem (und in sein) Verhalten interpretieren. Erfahrungen prägen während des gesamten Lebens.

Das was der Welpe zeigt kann theoretisch auch schon nicht mehr nur als angeboren angesehen werden, da er mit sechs bis acht Wochen, also dann wenn die meisten ausser dem Züchter die Welpen das erste mal zu Gesicht bekommen, auch schon eine erste Prägung erfahren hat. Je nachdem wie der (Auf)Züchter sich mit den Welpen befasst hat, können hier bei grundsätzlich gleich veranlagten Hunden schon große Unterschiede sichtbar sein. Extremer Fresstrieb zum Beispiel, der aus guten Gründen der Ausbildung gern propagandiert und beworben wird, lässt sich vom Züchter schon bis zur Abgabe der Welpen hervorragend „anerziehen“.

Auch im Bereich Beute, Bindung, etc. lässt sich einiges durch den Züchter bewegen. Ich wage also mal zu behaupten, dass hier eine gründliche und sinnvolle Beschäftigung des Züchters mit den Welpen grundsätzliches deutlich verstärken kann. In gleichem Maße kann man auch vieles den Bach hinunterlaufen lassen.

 

Fangen wir also bei Punkt 1 an und das ist das, was der Welpe an Anlagen mitbringt, also genetisch gesehen die Disposition für diese oder jene Eigenschaft, die der Züchter (und der Welpenkäufer) sich bei seinem Hund wünscht. Die angeborenen  Eigenschaften sind leider nie genau vorherzusagen und in jedem Wurf gibt es auch immer Ausreißer in beide Richtungen, mal mehr, mal weniger ausgeprägt.

Man kann nun versuchen, einen weitestgehend homogenen Wurf zu erreichen und die Ausreißer kleinzuhalten. Das sollte eigentlich das Ziel sein, denn schliesslich möchte jeder der 8-10 Welpenkäufer einen Hund mit den rassetypischen und für den jeweiligen Wurf beworbenen Eigenschaften.

Das setzt allerdings voraus, dass der Züchter zum einen ehrlich mit sich selbst ist und zum anderen natürlich den Sachverstand hat, die Zuchthunde zu beurteilen. Da der Hündinnenbesitzer meist den Rüden nicht so gut kennt wie seine Hündin, bleibt ihm nur, das genetische Umfeld des Rüden (Geschwister, Nachzucht, etc.) genau unter die Lupe zu nehmen.

Seine Hündin sollte der Züchter besser als jeder andere kennen. Es mag jetzt für den einen oder anderen anmaßend klingen –was es nicht sein soll- aber ich bin der Meinung, dass kein Leistungsrichter, Wesensprüfer oder Körrichter dem Besitzer mehr sagen kann als er selbst schon weiß (zumindest sollte dies der Fall sein!).

Mir kann auch keiner glaubhaft versichern, dass er seinen Hund in allen Lebenslagen kennt, wenn der die meiste Zeit im Zwinger verbringt. Die Alltagstauglichkeit des Hundes kann ich schliesslich nur im Alltag beurteilen. Versuche also bitte keiner, dessen Hund nicht ins Haus darf, mir z.B. zu erzählen, ob der Hund im Alltag zur Ruhe findet oder dazu gezwungen werden muss.

Daraus folgt: Wichtiger als jede Zahl aus einem mehr oder weniger subjektiv überprüften Bereich ist das Auge des Züchters um die Hunde zu beurteilen.

Sicher sind Zahlen gut, um sich einen grundsätzlichen Überblick zu verschaffen und auf diesen oder jenen Hund aufmerksam zu werden. Sie können allein aber kein Kriterium für oder gegen eine Verpaarung darstellen.

 

Neben dem Beute- oder Fresstrieb gibt es beim Welpen vieles anderes zu sehen, was meiner Meinung nach auch mit 6-8 Wochen noch mehr Aussagekraft hat. Das sind Dinge, die sich vom Züchter auch nicht mal eben so beeinflussen lassen, wie z.B.Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit, Triebbeständigkeit um bei den geläufigen Begriffen zu bleiben. Grundsätzlich sind das Eigenschaften, die meist mit einem gewissen Beuteverhalten einhergehen oder sich damit verbunden zeigen.

Um den Bogen zum Mali zuschlagen, kenne ich wenige, die nicht einen starken Beutetrieb haben, die drei anderen genannten Eigenschaften muss er aber nicht zwangsläufig auch zeigen. Sie können ihm fast gänzlich fehlen. Umgekehrt wird der Beutetrieb so gut wie immer vorhanden sein, wenn die drei genannten Eigenschaften ausgeprägt sind.

 

Ich will hier nicht den Rahmen einer Homepage völlig sprengen, sondern versuche mich kurz zu halten und trotzdem auf den Punkt zu kommen.

Es gibt hervorragende Literatur zu diesen Themen, ich möchte nur ein paar Dinge anschneiden um es dem einen oder anderen bei der Auswahl vielleicht etwas leichter zu machen oder eben auch um ihn kritischer sein zu lassen.

 

Fazit: Der Züchter sollte wissen was er verpaart, ehrlich sein, sich ganz intensiv und besonders mit dem Wesen des Hundes in all seinen Facetten auseinandergesetzt haben. Vergessen wir nicht, dass die wenigsten Kynologen wie Bloch, Feddersen-Petersen usw. selbst Hundesportler sind und es auch bei Rassen, die nicht im für Malis typischen Sport geführt werden, ganz hervorragende Züchter gibt, die in Sachen Aufzucht, Sozialisierung, Prägung (Anmerkung: auch an mir ist nicht vorübergegangen, dass das Wort Prägung mittlerweile in Züchterkreisen unbeliebt ist, da sie per Definition Unwiderruflichkeit beinhaltet. Dennoch prägen wir weiter, ob es einem nun passt oder nicht. Sicher aber für den einen oder anderen ein guter Anstoß nochmal sein Tun im Umgang mit Welpen zu überdenken.) einiges vorzuweisen haben. Sicher ist aber auch, dass man als Züchter des Malis zumindest im Sport aktiv sein sollte um überhaupt beurteilen zu können, was dort gefordert ist. Es besteht schon ein großer Unterschied in den Anforderungen an einen Hund der bspw. im Agi, Obe, THS oder im Schutzhundesport erfolgreich geführt wird. Ganz zu schweigen von den Malis die im Dienstbereich ihre Arbeit verrichten dürfen.

Es ist also nicht nur die Verpaarung entscheidend dafür ob die Hunde sich annähernd wie gewünscht entwickeln können, sondern auch die Arbeit des Züchters mit den Welpen.

 

Dem einen oder anderen ist vielleicht aufgefallen, dass ich im letzten Satz das Wort „können“ verwendet habe. Das hat den Grund, dass –so abgedroschen dieser Satz auch ist- der Züchter den Rohdiamanten liefert, den Schliff verantwortet der Welpenkäufer.

Wer sich einen Mali anschafft verfügt in der Regel über ein gesundes Grundwissen. Der Züchter ist dennoch in der großen Verantwortung festzustellen, ob der Interessent „maligeeignet“ ist.

 

Wenn diese angesprochenen Dinge von beiden Seiten vorhanden sind, steht glücklichen Hundeleben nicht viel entgegen. Ob der Hund nun wirklich alle gewünschten Eigenschaften zeigt, hängt davon ab, ob er sie mitbringt und ob sie im Anschluss entsprechend gefördert werden.

 

Was ich persönlich mir unter meinem Ideal-Mali vorstelle, darf hier natürlich nicht fehlen. Immer ausgehend davon, dass meine Hunde mit mir leben und teilweise sogar neben Sport und Alltag mit im Beruf unterwegs sind, steht vor allem für mich die Gebrauchsfähigkeit, die sich nach meinem Verständnis eben nicht nur auf das sportliche beschränkt.

 

Als erstes wünsche ich mir ein tadelloses Sozialverhalten gegenüber dem Menschen. Einschränkungen im innerartlichen Bereich nehme ich bei einem so führerbezogenem Hund wie dem Mali in Kauf und toleriere sie, solang sie mich nicht einschränken.

Ich bin nicht der Meinung, dass ein Mali sich von jedem anfassen lassen muss, aber er muss sich frei zwischen Menschen bewegen können ohne das ich Angst haben muss, dass er jemanden anfällt.

Dann wünsche ich mir, dass der Hund einen guten sechsten Sinn hat. Dieser begründet sich nach meiner Meinung in einer besonders guten Bindung zum Hundeführer, die es dem Hund ermöglicht Stimmungen zu erfassen und dementsprechend kann er mitunter auch initiativ selbstständig agieren. Es gehört für mich auch dazu, dass der Hund die Bereitschaft zeigt mich zu verteidigen. Bei den meisten Menschen wird es nie zu einer Situation kommen, wo dies notwendig sein wird. Aber bei einigen eben doch. Und wenn mein Hund dann den Delinquenten bei den Hörnern packt, wird wohl keiner nein sagen. Dadurch das der Mali eben auch als Diensthund verwendet wird, finde ich dass diese Bereitschaft zu ihm gehört und mich persönlich interessiert auch, ob er sie hat oder nicht.

 

Der will-to-please (Wille zu gefallen), die Führigkeit sollte ausgeprägt sein, denn sonst kommt man schnell an Grenzen, die keinen Spaß mehr machen. Führigkeit sollte nicht mit Weichheit verwechselt werden, wobei die meisten Malis die führig sind, eben dem Hundeführer gegenüber auch eine Weichheit zeigen, die aber auch in ihrer Sensibilität begründet ist.

Hier bin ich gespannt, ob ich in meiner Zucht etwas bewegen kann ohne stumpfe Hunde zu züchten!

 

Fremden gegenüber sollte der Mali keine Weichheit zeigen. Hier möchte ich darauf hinweisen, dass sich die Ausbildung ganz massiv wiederspiegelt. Wenn ich akzeptiere, dass mein Hund vom Helfer massive Einwirkungen annehmen muss, dann muss ich mich hinterher nicht wundern, wenn auf einmal Respekt vor dem Helfer da ist und Unsicherheit nach hinten (wir haben es geduldet). So kann man auch das beste Durchsetzungsvermögen kaputt machen.

 

Untrennbar zum Mali gehören für mich natürlich ein ausgeprägter Beutetrieb, zum einen für die Ausbildung, zum anderen einfach für den Spaß, sowie die Triebbeständigkeit und die immerwährende Bereitschaft mit dem Hundeführer on tour, work oder was auch immer zu gehen.

 

Der Mali sollte über ein gutes Nervenkostüm verfügen und sich an jede Situation schnell anpassen können. Im Alltag muss er seine Ruhe finden können, auch wenn man es manchem Mali erstmal beibringen muss.

 

Evtl. bastele ich an dieser Seite noch ein wenig. Wem es zu lang ist, der wird zum Lesen nicht gezwungen... :)

Der Super-Welpe

 

In letzter Zeit höre ich nur noch von Phantomen. Mir persönlich ist er noch nicht begegnet...

Folgendes zeichnet den mir unbekannten Super-(Malinois-)Welpen aus:

 

  • er hat niemals Angst

  • er ist nie unsicher

  • er läuft über alle Untergründe

  • er ist ein motorisches Wunder

  • er spielt mit allem

  • er apportiert alles

  • er hat Griffe wie ein Schraubstock

  • er beisst mit 8 Wochen auf große, harte Beute, die man dann selbstverständlich schenken muss, da der Hund nicht mehr auslässt (kann er ja noch nicht)

  • er hat Beutetrieb ohne Ende auf alles

  • er frisst wie ein beknackter beim Futtertreiben (sonst natürlich auch, aber Handschuhe sind Pflicht)

  • er ist nach ein paar Tagen stubenrein

  • er schläft gleich durch

  • er stellt schon bedrohliche Menschen (die uns natürlich täglich in böser Absicht heimsuchen) und macht das aus absoluter Sicherheit

  • er sucht schon die ernsthafte Auseinandersetzung mit seinem neuen Besitzer, denn er ist absolut selbstbewusst und dominant

  • aber er kann natürlich differenzieren, denn er ist absolut offen und freundlich (wenn man ihn nicht ärgert)

  • er ist immer aktiv und nicht müde zu bekommen, aber im Haus angenehm ruhig

  • die Unterordnungsbereitschaft ist absolut geil und der Welpe bietet sich den ganzen Tag an

  • neue Übungen kann er nach fünf Wiederholungen aus dem Sprunggelenk schütteln

 

Der Lebensraum des Super-Welpen heisst Facebook... man sieht ihn auf Hundeplätzen eher selten und wenn, hat er gerade einen schlechten Tag, weil er geimpft wurde, weil er eine Wurmkur bekommen hat, weil der Althund ihn geregelt hat oder oder oder... aber die Unsicherheit/ Unlust/ unspektakuläre Art hat er ja noch nie gezeigt. Im Zweifel liegt es auch einfach nur am Betrachter, der die Qualität des Super-Welpen nicht erkennt, sondern einfach nur denkt: „ach, guck mal, ein ganz normales, nettes Mali-Baby“.

 

Zurück zum Ernst, es nervt mich kolossal. Ein Hund -auch ein Mali- darf Unsicherheiten zeigen (meine haben es bisher alle getan, mal früher, mal später, mal mehr, mal weniger). Sie gehören zum Leben und Lernen dazu. Ein Lebewesen ohne Unsicherheiten ist ein Psychopath. Ein Lebewesen ohne schlechte Tage gibt es nicht. Beutetrieb darf sich entwickeln, ein Hund darf Menschen oder Tiere doof finden (ich mag auch nicht jeden, mit 40 Jahren noch nicht – hat sich nicht verwachsen). Ein Hund darf mal in die Wohnung pinkeln, wenn er mit 10 Wochen mal muss und ich gerade im Keller bin. Er darf nicht verstehen was ich gerade von ihm will. Er darf eine Blume, einen Schmetterling, eine Mülltonne, einen LKW, ein Fahrrad für einen Moment interessanter finden als seine Nase in meine Futterhand zu bohren. Ein gelber Sack auf dem Spazierweg darf gruselig sein, der Getränkekasten in der Garage auch. Er darf mir zu Hause ganz furchtbar auf die Nerven gehen, weil er auf dem Platz müde war und lieber mit dem Helfer schmusen wollte als dem Hetzleder nachjagen und jetzt aber gern die Blätter von der Palme ziehen will oder den Schuh zum zehnten mal wegschleppen und anfressen will. Er darf über Plastikplanen und Gitterroste rennen, aber unter der ersten Brücke über den Bach Alligatoren oder andere fleischfressende Wesen vermuten. Etc.pp....

Das alles darf er mindestens bis er ein Jahr alt ist. Manchmal auch bis er zwei Jahre alt ist. Je nachdem wie ich damit umgehe.

Und manchmal darf, bzw. muss er das auch bis ans Lebensende, wenn ich falsch damit umgehe.

Meistens darf er das bis ans Lebensende aber nicht bei dem, der ihn hochmotiviert angeschafft hat, der aber selbst falsch damit umgeht. Denn dann muss der Hund meist weg.

Und manchmal kommt es auch vor, dass einige Geister für den Hund nie so ganz den Grusel verlieren. Oder dass der Beutetrieb doch nicht so belastbar ist. Oder der Hund nie über spiegelnde Untergründe lustig traben wird. Dass der Hund sich nie gern von fremden anfassen lassen möchte. Auch da gibt es viele Dinge, die sich manchmal leider nicht ganz auflösen lassen. Und wenn der Hund aus bestimmten Gründen (Dienst und Zucht lassen wenig Spielraum in den Anforderungen zu) diese Kriterien erfüllen muss, es aber nicht tut, ist auch gegen eine gute Vermittlung in passende Hände nichts einzuwenden.

Der junge in der Entwicklung stehende Malinois braucht keine Bervormundung und keine Vermeidungstaktik. Er braucht einfach einen verlässlichen, entspannten Hundeführer, der selbst in sich ruht und in gruseligen Situationen gelassen und sicher eine Stütze bietet und Ansprechpartner ist wenn der Hund ihn braucht. Und manchmal, wenn der Lösungsansatz vom Hund tatsächlich der falsche ist, er trotz dezenter Anleitung den falschen Ansatz sucht, braucht er jemanden, der den richtigen Weg zeigt,. Das kann auch mal laut sein, das kann auch mal hart sein. Das kann aber auch sehr leise und weich sein. Je nach Hund und je nach Situation. Ein Mali ist keine harte Sau, kein Killer, kein Ferrari, kein Zerstörer, kein Macher. Eigentlich sind es Weicheier was Herrchen oder Frauchen angeht und das sollte man sich immer mal bewusst machen. Sie bekommen unsere Stimmungen genau mit und sind sehr abhängig davon.

Es sind keine Hunde für die oberen Hundert der Hundesportszene, aber für die oberen der Empathie, Fairness, Geduld, Selbstbeherrschung und Selbstreflektion.

Wer sich einen Mali kauft, gerade für den Sport, sollte aber vielleicht doch vorher mal ein paar Infos einholen. Und er sollte wissen, das pro Disziplin und Verband nur einer pro Jahr Weltmeister werden kann. Die Chance, dass gerade man selbst es in drei Jahren mit dem neuen Welpen sein wird, ist einfach gering.

Ja, und der Mali muss auch nicht mit zwei Jahren alle Ausbildungsstufen durch haben. Er muss mit 8 Monaten nicht beissen wie ein Berserker, er muss keine Unterordnung laufen wie ein dreijähriger Hund. Er muss nicht mit 5 Monaten schon alle Elemente der Unterordnung zeigen können. Er muss nicht täglich auf einem Eimer gymnastiziert werden, damit er Wendungen und Winkel perfekt zeigen kann, die technischen Übungen müssen noch nicht sitzen. Er muss nicht perfekt apportieren können. Er muss sicher bevor er geröngt wurde und wenigstens in der Größe ausgewachsen ist, keine Hürden springen. Entweder hat er Sprungvermögen und Technik, oder man muss es üben, das kann man auch noch mit 12, 15, 18.... Monaten (verhält sich mit dem beissen ganz genauso). Aber er muss sich täglich frei bewegen dürfen, rennen, laufen, klettern wie er will, um seinen Körper und seine Möglichkeiten selbst auszutesten und Vertrauen in seine Fähigkeiten zu entwickeln.

Er muss gefördert, aber nicht überfordert werden.

Er braucht Grenzen, aber auch Freiraum.

Verlange ich von meinem (jungen) Mali, dass er sich ruhig verhalten soll, muss ich ihm vorher Gelegenheit geben, überschüssige Energie loszuwerden. Verlange ich von ihm Benehmen, muss ich es ihm vorher beibringen. Und hinterher muss er wieder Gelegenheit haben, seine gesammelte Energie loszuwerden.

Der Mali ist ein Gebrauchshund, ein Misstrauen gegenüber fremden ist erstmal normal. Er muss nicht mit jedem schmusen um sozial zu sein. Sozial sein heisst schon, sich zu integrieren und anderen nicht zu schaden. Sich gegen andere abzugrenzen, ist für ein soziales Lebewesen ebenfalls normal. Es gäbe keine Familien, wäre dies nicht so. Dann wäre die Welt eine einzige große Alt-68er-Kommune.

Ein Mali muss auch nicht blindlinks jedem Blatt hinterherhüpfen, weil er dem Beutereiz nachgibt. Ein Hund der über eine Brückenbrüstung springt und unten heil ankommt hat Glück, sein Besitzer fast einen Herzkasper. Schicke ich den Hund, dann sollte er soviel Vertrauen haben drüberzuspringen, ohne vorher zu gucken. Alleine sollte er in der Lage sein, das Terrain noch zu sondieren.

Es ist auch nicht normal, dass ein Mali 1,5kg High Energy-Futter täglich fressen muss, um wie ein Steroid-Bambi auszusehen. Ein Mali ist eigentlich ein guter Futterverwerter. Er ist eigentlich ein stabiler Hund, kein Windhund-Mix. Es ist also nicht cool, wenn ich den Hund stopfen muss bis zum Geht-nicht-mehr um ihn am Leben zu halten. Und es ist nicht normal, dass ein Mali 17 (Hündin) oder 22 (Rüde) kg wiegt.

 

Es ist auch nicht normal, dass ein Mali drei Stunden täglich laufen muss, eine Stunde Unterordnung und noch eine Fährte absolvieren muss, dreimal die Woche beissen muss, damit er abends endlich mal liegt und schläft. Auch das ist nicht cool, das ist übertrieben und in Folge kein Wunder, wenn der Hund mit 8 Jahren völlig verbraten ist.

Ein Hund muss nicht am Tag 100mal Start-Stop-Ballfangen spielen, er muss nicht 50 Frisbees möglichst hoch und verdreht aus der Luft fangen und auf der Fehlkonstruktion Hundeknie landen, damit ich ein cooles Foto für FB geschossen habe. Das ist ebenfalls nicht cool und es ist kein Wunder, wenn der Hund dann eine Kreuzband-OP braucht, mit sechs Jahren Spondy und BSV hat.

Ein Mali der ruhig an der Leine neben seinem Besitzer steht, ist heute schon eine Schlaftablette. Man hat den Hund zwar noch nicht arbeiten gesehen, aber das Urteil steht.

Dass der Hund vielleicht einfach öfter in seinem Leben einfach nur neben seinem Besitzer an der Leine gestanden hat, ohne dass etwas besonderes passierte, sprich, dass er am normalen Alltag teilnimmt, ohne immer bespaßt zu werden, scheint gar nicht denkbar.

An-Aus-Schalter ist so ein beliebtes Wort. An bedeutet Vollgas, Aus bedeutet Hund sitzt in Box oder ist nach seinem täglichen Dauerspaßprogramm tatsächlich abends einfach durch.

Nein, falsch, das bedeutet, dass ein Mali seine Energie freisetzt, wenn es nötig ist und nicht alles verschiesst ohne Grund.

Nein, ein Hund muss Hund sein dürfen, auch ein Mali. Er muss auch mal ohne meine ständige Ansage und Abfrage einfach am Waldrand schnüffeln dürfen, über eine Wiese rennen, er darf auch mal ungehorsam sein und einen Unterschied zwischen Hundeplatzgehorsam, Alltagsgehorsam und Freizeit kennen.

Er darf auch mal an der Leine ziehen, seinen Pferdeapfel schnell runterschlucken bevor das Aus kommt. Er darf den Nachbarshund anpöbeln, weil der morgens aufreizend an seinen Zaun pinkelt.

Er darf auch mal Fehler machen, die er noch nie gemacht hat und auf dem Hundeplatz einen Tag einfach mal nur blöd sein.

Denn wir dürfen das auch. Wir dürfen uns Urlaub vom Hund nehmen und machen was uns gefällt. Der Hund wird auf uns warten und uns nicht übelnehmen, dass wir ohne ihn Spaß hatten. Er freut sich nur, dass wir wieder da sind. Deshalb sind es Super-Malinois-Welpen und -Hunde. Weil sie uns unsere kleinen Fehler und Macken verzeihen, unseren kleinen Verrat an ihnen.

Und so sollte es uns auch gehen.